Religionsgemeinschaften

Buddhistische Religionsgesellschaft

ALLGEMEIN

Siddhartha Gautama, der Buddha (der Erwachte), ist der Stifter des Buddhismus. Er ist der Buddha dieses Zeitalters, auf den die zahlreichen unterschiedlichen Schulen des Buddhismus zurückgehen. Dabei gibt es drei große Traditionen: den südlichen Buddhismus (Theravada), den Mahayana- und den Vajrayana-Buddhismus. In Österreich sind alle der drei großen Strömungen vertreten. Weltweit hat der Buddhismus in etwa 300-350 Millionen Anhänger*innen.

INHALT DER RELIGION

Buddha ist kein Gott, sondern der erwachte Lehrer, der den Weg zur BefreiungVollkommenheit lehrt. Buddha erkannte die vier edlen Wahrheiten, auf denen alle buddhistischen Traditionen aufbauen. Diese Wahrheiten sind die Basis seiner Lehre und zielen darauf ab, den Geist von negativen Einstellungen (Gier, Neid, Ärger, usw.) zu befreien. Der achtfache Pfad ist der Weg zur Heilung bzw. der Weg aus dem Kreislauf der Wiedergeburt. Die Befreiung vom Leiden wird dann als „Erleuchtung“ oder auch „Erwachen“ bezeichnet. Er ist gleichzusetzen mi t dem Nirwana. Nach der buddhistischen Lehre ist alles vergänglich, nichts hat Bestand. Das Nirwana ist das einzige, das keinem ständigen Wandel unterworfen ist. Ein weiterer zentraler Aspekt in der buddhistischen Lehre ist das Konzept von Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung. „Karma“ bedeutet Handlung und bezieht sich insbesondere auf die Intention, die unsere Taten motiviert. Dieser Weg wird in drei Aspekte zusammengefasst. Heilsame Lebensführung, Schulung in Meditation und Entwicklung von Einsicht und Weisheit.

HAUPTFESTE

Die buddhistischen Feste und Feiern unterscheiden sich zwischen den Strömungen, und auch innerhalb der Strömungen können je nach Region/Land Unterschiede zwischen den Ritualen auftreten. Tibetischer Buddhismus: Sagadawa (4. Vollmond im tibetischen Mondkalender): Feier Buddhas Erleuchtung, Geburt und Tod; Chökhor Düchen/“Das erste Drehen des Dharmarades“ (der Lehre): Tag an dem Buddha zum ersten Mal lehrte; Lhabab Düchen/“Buddhas Herabstieg vom Himmel der 35 Götter“; Chötrul Düchen/“Tag der Wunder“
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RELIGIÖSES OBERHAUPT

Die verschiedenen Lehrtraditionen des Buddhismus haben ihr jeweils eigenes Oberhaupt.

ÖSTERREICH

In Österreich bekannten sich 2001 (letzte Volkszählung) 10.402 Menschen zum Buddhismus. Die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft (ÖBR) hat mehr als 3.000 eingetragene Mitglieder; nach eigenen Angaben beträgt die Anzahl der Menschen, die in Österreich Buddhismus praktizieren, aber das Zehnfache. Die thailändische Gemeinde macht dabei den größten Anteil aus. Österreich war das erste Land in Europa, das den Buddhismus 1983 als Religion anerkannte.

STATEMENT ZUM GEMEINDELEBEN IN GRAZ

in Graz und der Steiermark zeigt sich die Vielfalt der Buddhistischen Schulen, so sind hier alle großen Gemeinschaften vertreten.

KULTSTÄTTEN IN GRAZ

an sich der Friedensstupa im Volksgarten

VERTRETER/IN IM INTERRELIGIÖSEN BEIRAT DER STADT GRAZ

Inge-Margaret a Brenner, Repräsentant in der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft ÖBR für die Steiermark und Leiterin des Sakya Tsechen Changchub Ling – Buddhist Center Bad Gams

STATEMENT ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG

Dialog und Verständnis sind Grundvoraussetzungen im Zusammenleben von Menschen – und somit auch der Religionsgemeinschaften

KONTAKT

Evangelisch-methodistische Kirche

ALLGEMEIN

Die evangelisch-methodistische Kirche hat sich aus einer Erneuerungsbewegung innerhalb der anglikanischen Kirche im 18. Jahrhundert entwickelt. Die Bewegung wurde durch John und Charles Wesley gegründet und widmete sich der Aufgabe „Heiligung über die Lande zu verbreiten“. Kennzeichnend für die frühe methodistische Bewegung waren Predigten im Freien mit denen die sozial schwache Arbeiterbevölkerung erreicht werden konnte und die Gründung der sogenannten Banden und Klassen. In diesen Klassen konnten Menschen ihren Glauben vertiefen und sich gegenseitig ermutigen und ermahnen. Der Einsatz von Laien, die als Reiseprediger mit dem Pferd durch die Lande zogen, ist ebenso kennzeichnend für die methodistische Bewegung. Durch den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, in deren Folge die anglikanischen Geistlichen die USA verlassen mussten entstand ein Vakuum, das Wesley veranlasste einer eigenen Ordination von Geistlichen zuzustimmen und so kam es im Jahre 1784 zur Gründung einer eigenständigen Kirche. Im Laufe der weiteren Geschichte kam es zur Gründung und Vereinigung vieler Kirchen, die aus der methodistischen Bewegung hervorgegangen sind. Weltweit sind etwa 80 Millionen Menschen Teil der methodistischen Familie, die im World Methodist Council miteinander verbunden sind. Die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich gehört zur United Methodist Church, welche im Jahr 1968 gegründet wurde und die weltweit ca. 12 Millionen Mitglieder hat. In Österreich gehören in etwa 1.500 Mitglieder, aufgeteilt auf 9 Gemeinden, der Kirche an. Bereits seit dem 19. Jahrhundert haben Frauen Zugang zu allen kirchlichen Ämtern, die erste Bischöfin wurde 1980 gewählt. Die Verantwortung innerhalb der kirchlichen Strukturen tragen zu gleichen Teilen Laien gemeinsam mit den PastorInnen.

INHALT DER RELIGION

Die Evangelisch-methodistische Kirche bekennt sich mit anderen Christ*innen zum Glauben an den dreieinigen Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wir glauben an Gott, der zu unserer Erlösung in Jesus Christus Mensch geworden ist und durch den Heiligen Geist ständig in der Geschichte wirksam ist. Ebenso glauben wir, dass Gottes erlösende Liebe durch das Wirken des Heiligen Geistes im menschlichen Leben, d.h. sowohl in der persönlichen Erfahrung als auch in der Gemeinschaft der Glaubenden, Gestalt gewinnt. Mit anderen Christ*innen anerkennen wir, dass das Reich Gottes eine gegenwärtige und eine zukünftige Wirklichkeit ist. und bekennen, das wir als Sünder*innen allein aus Gnade durch den Glauben gerechtfertigt sind. Die Bibel ist uns Quelle und Richtschnur, um uns Gottes vielschichtiges Handeln vor Augen zu führen und um damit Orientierung für unser eigenes Leben zu finden. Mit den evangelischen Kirchen sind wir in allen wesentlichen Glaubensfragen einig und haben über unsere Mitgliedschaft in der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa (GEKE) Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Kennzeichnend für methodistische Theologie ist die Betonung der „praktischen Frömmigkeit“ also der Umsetzung von Glauben in das persönliche, alltägliche Leben. Wesley betrachtete Lehrfragen vor allem unter dem Aspekt der Bedeutung für die christliche Jüngerschaft. Spezifisch ist auch die Bedeutung der „Heiligung“. Heiligung ist das Streben nach christliche Vollkommenheit. Nicht im Sinne einer Perfektion, sondern als Prozess des lebenslangen Lernens und im Glauben Wachsens, das Gott ermöglicht und begleitet. Es ist unsere Überzeugung, dass sich der Glaube in der tätigen Liebe zeigt. Dies ist die Grundlage für unser soziales Engagement. Auch die Ökumene zählt seit jeher zu den Kernanliegen der Methodisten.

HAUPTFESTE

Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Pfingsten Besondere Feste / Gottesdienste: Bundeserneuerungsgottesdienst zu Jahresbeginn Erntedank im Herbst
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RELIGIÖSES OBERHAUPT

Die Generalkonferenz, die regulär alle 4 Jahre tagt, ist das gesetzgebende Organ unserer Kirche und wird je zur Hälfte aus Laien und pastoralen Mitgliedern gebildet. Die Bischöfe haben nur beratende Funktion und sind nicht Teil der Generalkonferenz.

ÖSTERREICH

Bischof Dr. Patrick Ph. Streiff mit Sitz in Zürich ist Bischof der EmK für Mittel- und Südeuropa, Superintendent Stefan Schröckenfuchs mit Sitz in Wien ist zuständig für Österreich.

STATEMENT ZUM GEMEINDELEBEN IN GRAZ

Die Evangelisch-methodistischen Kirche in Graz wurde im Jahr 1911 gegründet und seit über 30 Jahren ist sie eine sehr internationale Gemeinde. Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen prägen das Miteinander. Der Gottesdienst wird simultan ins Englische übersetzt und kann über Kopfhörer mitverfolgt werden. Die Gemeinde lebt unser weltweites Motto „open hearts, open minds, open doors“. Wer zu uns kommt wird als Person wahrgenommen und willkommen geheißen. Wenn nicht gerade Covid-19 Zeiten sind, ist die Gemeinde für ihren lebendigen, fröhlichen Gesang und sehr gute Musiker und Musikerinnen bekannt.

KULTSTÄTTEN IN GRAZ

Evangelisch-methodistische Kirche, Wielandgasse 10, 8010 Graz

VERTRETER/IN IM INTERRELIGIÖSEN BEIRAT DER STADT GRAZ

Lokalpastor Frank-Moritz
Jauk i.v. Usha Sundaresan

STATEMENT ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG

Der interreligiöse Dialog und damit der respektvolle Umgang mit anderen Religionen ist uns wichtig. Wir sehen darin einen essentiellen Beitrag zum Frieden. Wesentlich für einen funktionierenden Dialog ist das Interesse aneinander und die Begegnung zwischen den Menschen. Dabei sollte Rang und Status nebensächlich sein. Grundsätzlich geht es um den Aufbau von Vertrauen, dass dann auch in Krisenzeiten aktiviert werden kann und ein gemeinsames Handeln ermöglicht.

KONTAKT

Freikirchen in Österreich

ALLGEMEIN

In Österreich wurde für die freikirchlichen Gemeinden ein Sonderweg gefunden, denn seit 2013 sind unter dem Namen „Freikirchen in Österreich“ fünf freikirchliche Bünde gemeinsam als Religionsgemeinschaft voll anerkannt. Das sind der Bund der Baptistengemeinden in Österreich (BBGÖ), der Bund Evangelikaler Gemeinden in Österreich (BEG), die Freie Christengemeinde – Pfingstgemeinde (FCGÖ), die Elaia Christengemeinde (ECG) sowie die Mennonitische Freikirche Österreich (MFÖ). Damit sind die Freikirchen die jüngste anerkannte Religionsgemeinschaft in Österreich. Die Geschichte der einzelnen Bünde reicht jedoch viel weiter zurück: International bildet die Reformation im 16. Jahrhundert und die damit einhergehende Täuferbewegung die Basis aller Freikirchen. In Österreich entsteht die erste Baptistengemeinde 1869 in Wien, zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden sich Pfingstgemeinden, in den 40er und 50er Jahren folgen die Mennoniten, Evangelikale Gemeinden gibt es offiziell seit den 90er Jahren (unter anderen Namen jedoch schon deutlich länger, z.b. Brüdergemeinden seit etwa 1920) und den Bund der Elaia seit dem neuen Jahrtausend. Im Rahmen der Anerkennung 2013 wurde von mehr als 160 freikirchlichen Gemeinden und mehr als 20.000 Mitgliedern ausgegangen. Diese Zahlen dürften inzwischen deutlich gestiegen sein, auch, weil neben den fünf genannten auch viele kleinere Gemeinden den österreichischen Freikirchen nahestehen. International zählen die Freikirchen zu jenen Kirchen, die den größten Zuwachs an Gläubigen verzeichnen.

INHALT DER RELIGION

Im Detail unterscheiden sich die freikirchlichen Bünde Österreichs inhaltlich klarerweise, dennoch gibt es eine gemeinsame Glaubensgrundlage: die Bibel als Wort Gottes und die Beziehung zu Jesus Christus. Im Gegensatz zu anderen christlichen Religionen verzichten die Freikirchen auf Kindertaufen, denn die Hinwendung zum christlichen Glauben wird als vollkommen freie und persönliche Entscheidung verstanden. „Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit“ weltweit sind Ziele, nach dem die Freikirchen streben. Glauben ist Freude und Liebe: Dementsprechend sind auch die Gottesdienste mit viel Musik, modern und mit freien Predigten sowie einem gemeinsamen Beisammensein im Anschluss gestaltet. Die Verbindung des Glaubens zum alltäglichen Leben ist zentral und damit auch die jeweils ganz persönliche Beziehung zu Gott. Nächstenliebe in Form verschiedenster diakonischer Projekte, das Einbringen in die jeweilige Gemeinde und Familie sind ebenso großgeschriebene Werte, wie die Überzeugung der Notwendigkeit von der Trennung von Kirche und Staat.

HAUPTFESTE

Weihnachten, Karfreitag und Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten
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RELIGIÖSES OBERHAUPT

n Österreich ist der „Rat der Freikirchen in Österreich“ das Entscheidungsorgan. In einem zweijährigen Turnus wird jeweils ein neuer Vorsitzender gewählt. Seit September 2019 ist Reinhard Kummer von der Mennonitischen Freikirche Vorsitzender des Rates und Sprecher der Freikirchen in Österreich.

ÖSTERREICH

Die „Freikirchen in Österreich“ sind als Bund seit 2013 in Österreich anerkannt. Schon ein Jahr danach begannen die Bünde mit einem gemeinsam gestalteten Religionsunterricht in ganz Österreich.

STATEMENT ZUM GEMEINDELEBEN IN GRAZ

Die freikirchlichen Ortsgemeinden treffen sich sonntäglich zum Gottesdienst, der für Gäste stets offen ist. Je nach Größe finden während der Woche Haus- und Bibelkreise privat oder im Gemeindehaus in kleineren Runden statt, sowie altersverschiedene Gruppen für Kinder, Jungschar, Teenager und Jungerwachsene. Auch Mutter-Kind oder Senioren-Kreise laden zum Kennenlernen ein. Ein Gebet, ein Lied oder Bibelvers werden bei diesen Treffen der Gemeinschaftspflege nicht fehlen. Übergemeindlich ist man durch die Evangelische Allianz verbunden, die zumindest einmal im Jahr einen gemeinsamen großen Gottesdienst aller Ortsgemeinden organisiert und sich während dieser Woche zu Gebetsabenden in den Gemeindehäusern abwechselt.

KULTSTÄTTEN IN GRAZ

Baptistengemeinde Graz, Idlhofgasse 89, BBGÖ
Bethel Prayer Ministries International, FCGÖ
Ekklesia Graz, Bahnhofgürtel 7, FCGÖ
Emanuel Graz, Haferfeldweg 19, BBGÖ
Evangelikal Freikirchliche Gemeinde, Falkenhofg. 19, BEG
Evangelikale Gemeinde Geidorf, Augasse 132, BEG
Faith Assemblies of God, FCGÖ
Freie Christengemeinde-Pfingstgemeinde, Conrad-v.-H. Str. 64 FCGÖ
Internationale Gemeinde, Bahnhofgürtel 7, BBGÖ
Life-Church Graz, Neubaug. 24, FCGÖ
Vineyard-Gemeinde Graz, Idlhofgasse 89, FCGÖ
https://freikirchen.at/freikirchen/gemeinden/steiermark/

VERTRETER/IN IM INTERRELIGIÖSEN BEIRAT DER STADT GRAZ

Pastor Bruno Gasper (Baptistengemeinde Graz)
Christoph Ritter (EFG Graz, Evangelische Allianz Graz)

STATEMENT ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG

Unter den freikirchlichen Gemeinden gibt es unterschiedliche Haltungen gegenüber anderen Religionsgemeinschaften. Man ist sich aber der christlichen Verantwortung bewusst, dass man gemeinsam als Religionen vor Ort seinen Beitrag zum friedlichen Miteinander leisten will.

KONTAKT

Bahá’í-Religion

ALLGEMEIN

Die Bahá’í-Religion gilt mit seiner Verkündung in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Stifter Bahá’u‘lláh als jüngste Weltreligion. Der Ursprung der Bahá’í liegt im Iran und ist aus dem Babismus hervorgegangen. Der Bab war der Vorgänger Bahá’u‘lláhs und übergab ihm die Verantwortung für seine Bewegung vor seiner Hinrichtung. Seit jeher sind die Bahá’í verfolgt, getötet und diskriminiert worden. Bahá’u‘lláh verbrachte viele Jahre im Exil und in Gefängnissen; vor dem Tod retteten ihn wohl nur westliche FürsprecherInnen. Bis heute werden die Anhänger der Bahá’í insbesondere in ihrem Ursprungsland diskriminiert und das, obwohl sie dort eine der größten religiösen Minderheiten darstellen. Rund 7 Millionen Menschen weltweit verstehen sich als Bahá’í und damit als Anhänger der monotheistischen Glaubensüberzeugung.
Im Gegensatz zu vielen anderen Religions- und Bekenntnisgemeinschaften kennen die Bahá’í kein religiöses Oberhaupt. Insbesondere seit dem Tod des Urenkels Bahā’ullāhs in der Mitte des 20. Jahrhunderts, der als letzter in der Erbfolge als „Hüter“ der Gemeinde fungierte, ist nicht nur die Organisationsstruktur „a-hierarchisch“, sondern auch die Auslegung der Schriften ist weitaus stärker vom individuellen Verständnis jedes Einzelnen als von einer kanonischen Vorgabe oder Lehrmeinung abhängig. Auf lokaler Ebene wird ein jährlich ein Geistiger Rat gewählt, der administrative Aufgaben erledigt und Aktivitäten koordiniert. Dieser Aspekt des Dienstes – dass der Mensch erschaffen wurde, eine ständig fortschreitende Kultur voranzutragen und sich somit Glaube auch und vor allem durch Taten auszeichnen muss – ist für die Bahá’í-Religion zentral. Der Mensch soll als Gestalter der Welt auftreten, nicht bloß als ihr Konsument.

INHALT DER RELIGION

Kennzeichnend für die Bahá’í ist, dass sie von einer fortschreitenden Gottesoffenbarung ausgehen. Das bedeutet einerseits, dass alle Religionen sich auf denselben Gott beziehen und andrerseits, dass auch (frühere) Propheten anderer Religionen und deren Lehren wesentlich sind. Letztere müssen sich jedoch verändern und weiterentwickeln, wie es die Gesellschaft und Herausforderungen jedes Zeitalters erfordern. Demnach entsprechen aus Sicht der Bahá’í die Lehren von „Offenbarern“ wie Jesus oder Mohammed den Bedürfnissen ihrer Zeit – Bahá’u’lláh wird als „Offenbarer“ für die jetzige Zeit erachtet. Zudem dürfe die Religion nicht der Vernunft und der Wissenschaft widersprechen, was auch aus dem Menschenbild der Bahá’í folgt, demzufolge der Mensch als vernunftbegabtes Wesen Gott am nächsten kommt. Die Einheit der Menschen, Nächstenliebe und die Gleichstellung der Geschlechter fallen unter anderem unter die 12 zentralen ethischen Grundsätze der Bahá’í. Dieses Verständnis im Hintergrund verwundert es auch nicht, dass die Bahá’í seit Bahá’u‘lláh eine einheitliche Weltsprache propagieren, die zusätzlich zur jeweiligen Erstsprache erlernt werden soll. Darüber hinaus stellt die Bahá’í-Religion das Individuum und die individuelle Praxis in den Mittelpunkt: In den Häusern der Andacht werden Andachten ohne Predigten zelebriert, auch Riten sind nicht vorgegeben.
Die sehr umfangreichen und verfügbaren Originalschriften Bahá’u‘lláhs dienen als Offenbarungsquelle, u.a. Das Heiligste Buch, Das Buch der Gewissheit sowie zahlreiche mystische Schriften. Außerdem werden auch Schriften aus anderen Weltreligionen berücksichtigt.

HAUPTFESTE

Naw-Rúz, Neujahrsfest, um den 21. März
Ridván-Tage: Erinnerung an Verkündigung Bahá’u‘lláhs
Verkündigung des Bab
- Hinscheiden Bahá’u‘lláhs
Märtyrertod des Bab
- Geburt des Bab
Geburt Bahá’u‘lláhs
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ÖSTERREICH

Seit 1988 in Österreich als Bekenntnisgemeinschaft anerkannt, Wurzeln in Wien seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Aktives Gemeindeleben in Graz, wo der erste Geistige Rat 1957 gegründet wurde.

STATEMENT ZUM GEMEINDELEBEN IN GRAZ

Die 1953 gegründete Grazer Gemeinde besteht aus etwa 50 Mitgliedern. Neben den 19-Tage-Festen, zu denen sich die Bahá’í-Gemeinde trifft, finden – wie auf der ganzen Welt – Aktivitäten statt, die zum Ziel haben, Menschen allen Alters dabei zu unterstützen, einen Beitrag zur Besserung der Gesellschaft zu leisten. Verschiedene Menschen – unabhängig ihres Religionsbekenntnisses oder ihrer Herkunft – sind Teil dieses Prozesses, der durch Materialien des Trainingsinstituts zu einem Werkzeug gesehen wird, die sogenannte zweifache moralische Bestimmung zu erfüllen – das Entwickeln der eigenen Eigenschaften und Potenziale und, untrennbar davon, der positive Beitrag zum Wandel der Gesellschaft.

KULTSTÄTTEN IN GRAZ

Bahá’í-Zentrum, Gartengasse 26

VERTRETER/IN IM INTERRELIGIÖSEN BEIRAT DER STADT GRAZ

Nadine Reyhani, B.Ed.

STATEMENT ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG

Als Religion, die glaubt, dass wir alle vom selben Gott aus Liebe erschaffen wurden, dass wir alle einer großen Menschheitsfamilie angehören, ist es wunderbar, diesem Glauben in Form des interreligiösen Dialogs Ausdruck zu verleihen und Teil eines multikulturellen, interreligiösen Graz zu sein!

KONTAKT

Griechisch-orthodoxe Kirchengemeinde Graz

ALLGEMEIN

Was bedeutet die Bezeichnung „Orthodoxe Kirche“?
Mit der Bezeichnung Orthodoxe Kirche wird meistens das Doktrinäre des rechten Glaubens in den Vordergrund gestellt, womit als Orthodoxe Kirche die Kirche des rechten Glaubens bezeichnet wird. Orthodox kommt aber von ὀρθός(=richtig) und δόξα. Δόξα hat zwei Bedeutungen: Meinung, Auffassung, Lehre, aber auch Lobpreisung, Doxologie. Somit ist die Orthodoxe Kirche die Kirche der Rechtgläubigkeit, aber auch die Kirche der rechten Lobpreisung Gottes. Dogmen, Lehre, Kanones, bzw. Kirchliche Bestimmungen existieren auch, sie dienen aber dem Hauptziel der Kirche, dem Lobpreis Gottes und dem Heil der Menschen.
Seit wann existiert die Orthodoxe Kirche? Die Orthodoxe Kirche existiert seit der Gründung der Kirche durch Jesus Christus in der Urgemeinde in Jerusalem, von wo aus dann die christliche Botschaft durch die Missionstätigkeit der Apostel und ihrer Schüler an die ganze Welt durch die Jahrhunderte hindurch verkündet wurde. Überall wurden neue kirchliche Zentren gegründet, die bis heute kontinuierlich als selbstständige Orthodoxe Kirchen im ganzen Osten, aber auch im Westen existieren.
So existiert Eine Orthodoxe Kirche, was den Inhalt des Glaubens, die Liturgie, das Kirchenrecht und allgemein die Spiritualität, betrifft. Was die Verwaltung der Kirche betrifft, existieren 15 selbstständige Autokephalen Kirchen. Manche von Ihnen haben als Patriarchate einen Patriarchen an der Spitze, manche einen Erzbischof oder Metropoliten.
Die Struktur der Patriarchate wurde im ersten Jahrtausend für die Gesamtkirche des Ostens und des Westens mit einer bestimmten Rangordnung entwickelt und durch die Ökumenischen Konzilien (Konzil von Chalzedon 451) bestätigt: Rom, Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien und Jerusalem, (Pentarchie). Im zweiten Jahrtausend und nach der Auseinanderentwicklung zwischen Osten und Westen (westliches Patriarchat von Rom), entwickelten sich im Osten durch die Entscheidung des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel selbständige, Autokephale Kirchen. Die Orthodoxen Kirchen sind:
Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel, Patriarchat von Alexandrien, Antiochien, Jerusalem, Moskau, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Georgien. Die Autokephale Kirche von Zypern, Griechenland, Polen, Albanien, Tschechien u. der Slowakei und Ukraine.
Gemeinsam machen all diese Kirchen die eine Orthodoxe Kirche aus. Grobe Schätzungen gehen von ca. 400 Millionen orthodoxen Mitgliedern weltweit aus.
Österreich: In Österreich leben ca 500.000 Orthodoxe mit kirchlichen Strukturen. Die Griechisch-orthodoxe Kirche, die zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel gehört, zählt rund 35.000 Gläubige.

INHALT DER RELIGION

Theologie, Dogma und Leben in der Orthodoxen Kirche
Christliches Grundanliegen ist, dass es keine Auseinanderentwicklung zwischen der kirchlichen Lehre als Theologie und dem Leben der Christen geben soll. Die Theologie bezieht sich direkt auf das christliche Leben mit allen menschlichen und soziokulturellen Komponenten. Demnach ist das Dogma nicht für sich entwickelt und definiert, sondern vor allem als Hilfe und Wegweiser für die Gläubigen, damit sie zu ihrem Heil gelangen können, genauso wie die Frohbotschaft des Evangeliums Leben ist. Christus sagte zu seinen Jüngern: „Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben“ (Jo 6, 63). Demnach sind die Dogmatisierungen konkrete Handlungen der Kirche in einer bestimmten Zeit mit aktuellen Problemen, in einem bestimmten und konkreten historischen und kulturellen Kontext.
Als Basis der orthodoxen Lehre dient die Heilige Schrift und die Tradition im Leben der Kirche, wobei christliche Tradition nicht eine statische Übernahme und Übergabe der vorhandenen Glaubensform, sondern ein kontinuierliches Wachstum innerhalb der Kirche bedeutet. Wenn man die Tradition so versteht, ist man frei, neue Impulse für die menschliche Existenz in der jeweiligen Zeit im jeweiligen Ort, zu wagen. Das bedeutet, dass auch die soziale Dimension des kirchlichen Lebens von zentraler Bedeutung ist. Z.B. die Umweltproblematik ist zentrales Anliegen.

Das sakramentale Leben: In der historischen Entwicklung des Christentums hat auch die Orthodoxe Kirche die 7 Sakramente, für die auch die entsprechenden liturgischen Handlungen entwickelt wurden. Das liturgische Leben nimmt in der Orthodoxen Kirche einen wichtigen Platz ein. Die Taufe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes stellt nicht nur die formelle Eingliederung in der Kirche dar, sondern sie begründet auch das neue christliche Leben existentiell. Der Glaube an die Heilige Trinität gehört zu den fundamentalsten Inhalten unseres christlichen Glaubens und zwar aller Kirchen.
Die Sakramente sind: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Ehe, Ordination und Krankensalbung. Bei der hl. Eucharistie empfängt der Gläubige Leib und Blut des Herrn.
Die Orthodoxe Kirche erkennt an und sie verwendet im ganzen sakramentalen und liturgischen Leben nur das Große Glaubensbekenntnis vom zweiten Ökumenischen Konzil von Konstantinopel (381). Sie kennt das Apostolikum, aber sie verwendet es im sakramentalen Leben nicht.
Die Ikonenverehrung spielt in der orthodoxen Spiritualität eine wichtige Rolle.

HAUPTFESTE

Hauptfeste in der Orthodoxen Kirche sind: die Geburt Christi (Weihnachten, 25. 12.), Taufe Jesu, Epiphanie (6. 1). Mariä Verkündigung (25. 3.), Verklärung Christi (6. 8), Entschlafung Marias (15. 8.), Geburt Marias (8. 9) Aufnahme Marias in den Tempel (21. 11). Die beweglichen Feste mit Zentrum das Osterfest bilden einen eigenen Feste-Zyklus. Beginn der Fastenzeit vor Ostern, Große und Heilige Woche, Karfreitag, Ostersonntag, Ostermontag, Himmelfahrt Christi, Pfingsten. Außerdem gibt es sehr viele Feste für die Heiligen und für religiöse Ereignisse.
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RELIGIÖSES OBERHAUPT

Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel Bartholomaios I.

ÖSTERREICH

Metropolit Dr. Arsenios Kardamakis. Am 4. Dezember 2011 in Wien in sein Amt eingeführt. Er ist auch der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich.

STATEMENT ZUM GEMEINDELEBEN IN GRAZ

Die Griechisch-Orthodoxe Kirche in Österreich bzw. in der Steiermark gehört der Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel an. 1963 wurde Österreich eine eigene Diözese des Ökumenischen Patriarchates (Metropolit Dr. Chrysostomos Tsiter). Durch das Österreichische Bundesgesetz 229/23. Juni 1967 wurde die griechisch-orthodoxe (Griechisch-Orientalische) Metropolis als Körperschaft öffentlichen Rechtes anerkannt. Heute existiert die Metropolis von Austria mit dem Exarchat von Ungarn und Mitteleuropa. Die „Verfassung der Griechisch-Orientalischen (Orthodoxen) Metropolis von Austria Exarchat von Ungarn und Mitteleuropa“ wurde vom Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten am 30. November 1995 (Nr. 10.521/1-9c/94) angenommen.

Die Griechen in der Steiermark haben keine sehr lange Geschichte. Interessant ist hier zu erwähnen, dass die Familie von Georg Karajannis aus Kozani (Griechenland), die später als Karajan bekannt ist und berühmte Namen der Wissenschaft und der Kultur (Herbert von Karajan) hervorgebracht hat, auch in Graz ihre Wirkung entfaltet hat. Maximilian Theodor Ritter von Karajan habilitierte in Graz für klassische Philologie. An der Universität in Graz lehrte Prof. Nikolaos Rhodokanakis Semitische Philologie 1910-1942.
Von Zeit zu Zeit waren sehr viele griechischen Studenten in Graz. Der Höhepunkt war im Studienjahr 1960/1961 mit 2453 Griechen. Viele von diesen Studenten haben sich in Graz bzw. in der Steiermark auch mit ihren Familien niedergelassen. U. a. Professoren an der Technischen Universität (Sokratis Dimitriou), an der Musikhochschule (z.B. Christos und Katerina Polyzoides), an der Karl-Franzens-Universität, an der Medizinischen Fakultät bzw. im Landeskrankenhaus (Konstantin Chiotakis, Grigorios Argyropoulos, Georg Papaeuthymiou, Athanasios Bojatzis), an der Juridischen Fakultät (Simota), der Theologischen Fakultät (Grigorios Larentzakis), Opernsänger, Med. Primarien an Krankenhäusern, Ärzte mit eigener Praxis, Handelsleute, Restaurantsbesitzer usw. Die Griechen in Graz sind auch organisiert (z.B. Verein Griechischer Studenten und Akademiker, Österreichische-Griechische Gesellschaft).

Die Griechisch-Orthodoxe Gemeinde in Graz wurde zuerst direkt aus Wien betreut. Jetzt gibt es einen ständigen Pfarrer in Graz, den Erzpriester Dipl. Theol. Dimitrios Makris, der für Graz und Klagenfurt zuständig ist. Er ist auch Religionslehrer, wie auch Mag. Vasiliki Vavitsa und Dipl. Theol. Mag. Levteris Kyriakidis.

Die Griechisch-Orthodoxe Gemeinde in Graz nimmt aktiv seit 1965 an der Ökumene und jetzt als Mitglied des Ökumenischen Forums Christlicher Kirchen in der Steiermark, an der Sektion Graz der Stiftung Pro Oriente (seit 1987) und am Interreligiösen Beirat der Stadt Graz teil. Von 1970-2007 war an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Graz die Orthodoxe Theologie in Lehre und Forschung vertreten (Prof. Grigorios Larentzakis). An der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz wurde der Ökumenische Patriarch Bartholomaios am 18. Juni 2004 zum Ehrendoktor promoviert.
Bei der Organisation und Durchführung der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Graz vom 23.-29. Juni 1997 waren viele orthodoxe Theologen und Hierarchen schon bei der Planung und Vorbereitung sehr aktiv mitbeteiligt. Der damalige Metropolit von Austria Michael Staikos war als Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich und zuständiger Bischof für die Orthodoxen in Graz maßgeblich beteiligt. Er war auch Mitglied des internationalen Planungsausschusses. G. Larentzakis war Vorsitzender des Lokalkomitees, das für die Organisierung und Durchführung dieser gesamteuropäischen Versammlung verantwortlich war.
Gemeindevortsteher: Erzpriester Dimitrios Makris
Vertreter der Metropolis: Univ. Prof. Dr.Dr. Dr. h.c. Grigorios Larentzakis, Archon Megas Protonotarios des Ökumenischen Patriarchates

KULTSTÄTTEN IN GRAZ

Kirchengemeinde der Heiligen Ärzte Kosmas und Damian, Leechkirche, Zinzendorfgasse 3, 8010 Graz

VERTRETER/IN IM INTERRELIGIÖSEN BEIRAT DER STADT GRAZ

Univ.-Prof. Dr.Dr. Dr. h.c. Grigorios Larentzakis
i.V. Erzpriester Dipl. Theol. Dimitrios Makris

STATEMENT ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG

Der Interreligiöse Dialog des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel: Mufti, Patriarch, Rabi im Dialog. Besitz des Ökumenischen Patriarchates.
Von Joannes Mitrakas.

Die Orthodoxe Kirche führt und fördert vielfältig den Interreligiösen Dialog, denn er basiert auf einer grundsätzlichen theologischen Position bezüglich der Gleichwertigkeit aller Menschen und zwar in der Schöpfungstheologie des menschlichen Geschlechtes. Diese Grundsätzliche Theologische Position verabschiedete die Orthodoxe Kirche in ihrer letzten Panorthodoxen Synode im Juni 2016 auf Kreta. In einem synodalen Dokument wurde beschlossen: „Die Position der Orthodoxen Kirche in dieser Frage ist eindeutig. Die Kirche glaubt, dass Gott „aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen hat, damit es die ganze Erde bewohne“ (Apg 17,26), und dass es in Christus „nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau gibt, denn ihr alle seid ‚eins‘ in Christus Jesus“ (Gal 3,28). Auf die Frage „Wer ist mein Nächster?“ antwortet Christus mit dem Gleichnis vom guten Samariter (Lk 10,25-37). So lehrt er uns, jede Trennwand der Feindschaft und der Vorurteile niederzureißen. Die Orthodoxe Kirche bekennt, dass jeder Mensch unabhängig von Hautfarbe, Religion, Herkunft, Geschlecht, Nationalität oder Sprache nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen ist und gleiche Rechte in der Gesellschaft genießt. Ihrem Glauben getreu akzeptiert die Orthodoxe Kirche keine der genannten Diskriminierungen, da dies eine unterschiedliche Wertschätzung der einzelnen Menschen bedeuten würde.“
In diesem Sinne führt die Orthodoxe Kirche den Interreligiösen Dialog mit dem Islam und mit dem Judentum und jedem Menschen guten Willens. Diese Grundhaltung der Orthodoxen Kirche wurde auch durch entsprechende Beschlüsse bei der Panorthodoxen Synode auf Kreta im Jahre 2016 bestätigt. In der Botschaft der Synode heißt: „Die Ausbrüche von Fundamentalismus, die sich in verschiedenen Religionen beobachten lassen, sind Ausdruck einer krankhaften Religiosität. Ein nüchterner interreligiöser Dialog trägt wesentlich zu gegenseitigem Vertrauen, Frieden und Versöhnung bei.“

Auch bei der Tätigkeit des Interreligiösen Beirats in Graz, nimmt die Griechisch-Orthodoxe Gemeinde aktiv teil. So z.B. bei der Interreligiösen Konferenz Com Unity Spirit in Graz vom 17.-20.Juli 2013, an die Metropolit Arsenios Kardamakis ein Grußwort richtete. Daran hat der damalige Metropolit von Prussa und jetzige Erzbischof von Amerika Elpidophoros (Lambriniadis) mit einem Referat mitgewirkt. Er hat auch eine persönliche Botschaft des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios überbracht und vorgelesen:
Botschaft Seiner Heiligkeit, des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomaios an die Interreligiöse Konferenz Com Unity Spirit in Graz vom 17.-20.Juli 2013
„Bartholomaios, durch die Gnade Gottes Erzbischof von Konstantinopel dem Neuen Rom und Ökumenischer Patriarch
Mit großem Interesse haben Wir Ihre Interreligiöse Konferenz Com Unity Spirit in Graz wahrgenommen. Gleich am Beginn möchten Wir dafür Unsere Anerkennung aussprechen, denn Wir sind fest davon überzeugt, dass wir alle gemeinsam eine Verpflichtung haben, unserem Mitmenschen von heute mit allen seinen konkreten Sorgen und Problemen zu dienen.
Die Stadt Graz mit allen Ihren Einrichtungen und Institutionen ist Uns nicht nur aus Informationen bekannt. Aus Unseren persönlichen Erfahrungen wissen wir, wie offen und dialogbereit sie ist. Das gute ökumenische Klima ist bei Uns sehr bekannt und es wird besonders geschätzt und anerkannt. Wir hatten die Freude, nicht nur einmal in Graz gewesen zu sein. Uns wurde auch die Ehre und Freude zuteil, die Ehrendoktorwürde Ihrer Universität, bzw. Ihrer Theologischen Fakultät zu bekommen, an der ein Theologe unserer Kirche Jahrzehnte lang erfolgreich und authentisch mitwirkt.
Die Thematik Ihrer Konferenz liegt Uns am Herzen; nicht nur Uns aus persönlichem großen Interesse, sondern Uns auch als Orthodoxe Kirche und Ökumenisches Patriarchat. Denn die harmonische und friedliche Koexistenz aller Menschen muss zu den Hauptaufgaben nicht nur des Staates und einer Stadt, sondern auch unserer christlichen Kirchen, aller Religionen und aller Menschen guten Willens gehören.
Diese Unsere feste Überzeugung möchten Wir heute in dieser Botschaft nicht nur mit unseren persönlichen Worten zum Ausdruck bringen, sondern mit den Worten aller Orthodoxen Kirchen, wie sie in einem gesamtorthodoxen Dokument aus dem Jahre 1986 formuliert wird: „Die Orthodoxen Lokalkirchen betrachten es als ihre Pflicht, eng mit den Gläubigen aus anderen Weltreligionen, die den Frieden lieben, für den Frieden auf Erden und für die Verwirklichung brüderlicher Beziehungen zwischen den Völkern zusammenzuarbeiten. Die orthodoxen Kirchen sind aufgerufen, zur interreligiösen Verständigung und Zusammenarbeit und auf diese Weise zur Beseitigung von jeglichem Fanatismus beizutragen und damit zur Verbrüderung der Völker und zur Durchsetzung der Güter der Freiheit und des Friedens in der Welt zum Wohle des heutigen Menschen und unabhängig von Rasse und Religion. Es versteht sich dabei von selbst, dass diese Zusammenarbeit sowohl jeden Synkretismus ausschließt als auch jeden Versuch, irgendeine Religion anderen aufzuzwingen.
Wir sind der Überzeugung, dass wir als Mitarbeiter Gottes in diesem Dienst Fortschritte machen können, gemeinsam mit allen Menschen guten Willens, die den wahren Frieden suchen, zum Wohl der menschlichen Gemeinschaft auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Dieser Dienst ist ein Gebot Gottes (Matt 5,9).“ Denn „Die Orthodoxie bekennt, dass jeder Mensch- unabhängig von Farbe, Religion, Rasse, Nationalität und Sprache- das Bild Gottes in sich trägt und unser Bruder oder unsere Schwester ist und gleichberechtigtes Glied der menschlichen Familie.“
Mit dieser Überzeugung und mit dieser Zuversicht wünschen Wir Ihrer Konferenz viel Erfolg und die reiche Gnade und den Beistand Gottes.-
Konstantinopel, 15. Juli 2013
Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel
Bartholomaios“

Die Griechisch-Orthodoxe Gemeinde in Graz hat durch ihren Vertreter Univ. Prof. Dr. Larentzakis, auch bei der Vorbereitung der Grazer Erklärung: „Com unity spirit, Die Grazer Erklärung zum Interreligiösen Dialog“ (Oktober 2013) mitgewirkt. Er nahm auch teil bei den Veranstaltungen beim Besuch des Dalai Lama. im Oktober 2002 in Graz, wie auch bei der Grazer Konferenz der Leiter islamischer Zentren und Imame in  Europa (13.-15. Juni 2003).

Die aktuellste interreligiöse Begegnung zwischen der Orthodoxen Kirche des Ökumenischen Patriarchates und der Kirche von Griechenland und dem Islam (Iran) fand Online am 7. September 2020 zum Thema „Religion und Gesundheit statt.“

KONTAKT

Verfasser des Textes: Univ. Prof. Dr. Grigorios Larentzakis

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

ALLGEMEIN

Während der Zweiten Erweckungsbewegung suchte Joseph Smith jr. im Osten der USA nach der richtigen Kirche und nach Vergebung seiner Sünden. Als Antwort darauf hatte er Visionen, die 1830 zur „Wiederherstellung“ der „ursprünglichen Kirche“ führten: Joseph war der erste neuzeitliche Prophet.
Die „Heiligen der Letzten Tage“ zählen damit zu den jüngeren christlichen Gemeinschaften. Der Beiname „Mormonen“ steht im Zusammenhang mit der Executive Order 44, mit der im Jahr 1838 der Staat Missouri die „Mormonen“ zu Staatsfeinden erklärte, die es zu vertreiben und auszurotten galt. Die „Heiligen“ lehnen diesen Namen ab. Weniger als die Hälfte der 16.5 Mio Mitglieder (Stand Anfang 2020) lebt heutzutage in den USA.
Die sehr moderne Kirche glaubt daran, dass Gott auch heute noch zu Propheten spricht. Die Kirche wird von Propheten und 12 Aposteln geführt.

INHALT DER RELIGION

Das Sühnopfer Jesu Christi und Seine Lehren stehen im Zentrum des Glaubens. Die Ehe ist von hoher Bedeutung und wird auf Zeit und alle Ewigkeit geschlossen. Familien können ewig bestehen. Auf lokaler und regionaler Ebene gibt es nur Laienpriester, jeder Mann soll Priester sein. Nicht nur der Präsident der Kirche soll persönlich Antworten von Gott suchen, dies ist ein Auftrag an jeden einzelnen Menschen. Die „Heiligen“ sind täglich bestrebt, durch die Hilfe des Heiligen Geistes einen christusähnlichen Charakter zu entwickeln. Die „Heiligen“ sind zu einer gesunden Lebensweise (keine abhängig machenden Genussmittel) und zum monatlichen Fasten für Bedürftige angehalten.
Glaubensgrundlage: Bibel, Buch Mormon, Lehre und Bündnisse, „Köstliche Perle“.

HAUPTFESTE

Ostern, Weihnachten, Gründungstag der Kirche Jesu Christi HLT (6. April), Gründung der Frauenhilfsvereinigung FHV (17. März), Wiederherstellung des Priestertums (15. Mai), Pioniertag (24. Juli)
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RELIGIÖSES OBERHAUPT

Prophet, Präsident Russell L. Nelson

ÖSTERREICH

Erste Gemeinde: 1901, staatliche Anerkennung: 1955, 17 Kirchengemeinden österreichweit, ca. 4700 Mitglieder nach eigenen Angaben, Gründung der Grazer Gemeinde 1953

STATEMENT ZUM GEMEINDELEBEN IN GRAZ

Die Gemeinde Graz wurde 1953 gegründet. Im Schnitt liegt die Sonntagsanwesenheit bei 133 Personen. Es gibt zahlreiche Gemeindeorganisationen inklusive einem ausgedehnten Jugend- und Kinderprogramm.

KULTSTÄTTEN IN GRAZ

Eckertstraße 136, 8020 Graz
Gottesdienst Sonntags 9:30 (offene Kommunion)
Gäste herzlich willkommen.

VERTRETER/IN IM INTERRELIGIÖSEN BEIRAT DER STADT GRAZ

Ing. Michael Korak

STATEMENT ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG

Dauerhaften Frieden gibt es nur durch gegenseitiges Verständnis. Zu diesem Verständnis ist guter, geschwisterlicher Dialog Voraussetzung

KONTAKT

Islamische Religionsgemeinde Steiermark

ALLGEMEIN

Der Islam geht zurück auf den Propheten Mohammed und hat weltweit in etwa 1,7 Milliarden Mitglieder. Damit stellt er nach dem Christentum die zweitgrößte Weltreligion dar. Innerhalb des Islams sind die Sunniten und Schiiten die Hauptströmungen. In Österreich bekannten sich 2001 (letzte Volkszählung) rund 339.000 Menschen zum Islam. Eine Schätzung des Österreichischen Integrationsfonds geht für das Jahr 2016 von ca. 700.000 MuslimInnen in Österreich aus.

INHALT DER RELIGION

Der Islam ist eine monotheistische Schriftreligion. MuslimInnen glauben an Allah als alleinigem Gott, Schöpfer und Lehrer. Die Heilige Schrift ist der Koran – er gilt als letztgültige wortwörtliche Botschaft Allahs an die Menschen. Daneben gelten auch die Hadithe zur Sunna als Quelle der Religion: Darin finden MuslimInnen die Vorbildliche Lebensweise des Propheten Mohammed. Die Mondsichel (arabisch Hilal) gilt als eines der bedeutendsten muslimischen Symbole.

Der Islam hat fünf zentrale Säulen, welche von den Gläubigen praktiziert werden: Dazu zählt das Glaubensbekenntnis (Schahāda, Bekenntnis zu dem einen Gott und Mohammed als letzten Propheten), das Gebet (Salāt, fünf Mal am Tag zu festgelegten Zeiten, davor findet eine rituelle Waschung statt), die Armensteuer (Zakāt = Pflichtalmosen), das Fasten (Saum) im Monat Ramadan, dem neunten Monat im islamischen Lunarkalender und die Pilgerfahrt nach Mekka zur Kaaba, dem größten Heiligtum des Islam (Haddsch). Das Freitagsgebet ist das wichtigste der gesamten Woche und wird nach Möglichkeit gemeinsam in einer Moschee verrichtet. Für Männer ist es verpflichtend, für Frauen empfohlen.

HAUPTFESTE

Fest des Fastenbrechens am Ende des Fastenmonats Ramadan, Opferfest (höchstes islamisches Fest)
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RELIGIÖSES OBERHAUPT

Imam

ÖSTERREICH

Die Behandlung des Islam in Österreich stellt innerhalb Europas eine Besonderheit dar: Bereits im Jahr 1912 kam es als Folge der Annexion von Bosnien durch die Habsburger-Monarchie zur Anerkennung des Islam als Glaubensgemeinschaft. Die Gründung der IGGIÖ (Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich) als Körperschaft öffentlichen Rechts folgte schließlich im Jahr 1979 und stellt die offizielle religiöse Verwaltung aller in Österreich lebenden MuslimInnen dar. Die Organe der IGGIÖ sind der Schurarat, der Oberste Rat und der Mufti; eine der wichtigsten Aufgaben ist die Erteilung des islamischen Religionsunterrichtes. Einen „Kirchenbeitrag“ im Sinne der katholischen Kirche gibt es nicht.

STATEMENT ZUM GEMEINDELEBEN IN GRAZ

Die Islamischen Religionsgemeinde Steiermark, trägt als offizielle Vertretung ihrer Mitglieder zur Anerkennung und Lebensqualität der MuslimInnen unseres Bundeslandes im Sinne der Sicherung religiöser Bedürfnisse wesentlich bei.
Die Religionsgemeinde plädiert für einen „österreichischen Weg“ des friedlichen, respektvollen Zusammenlebens von MuslimInnen und dem gesamtgesellschaftlichen Spektrum Österreichs und setzt sich initiativ dafür ein.
Das muslimische Gemeindeleben in Graz ist sehr vielfältig und findet vor allem in und um die Moscheegemeinden statt.
Die Moscheen sind für die Muslime in erster Linie Orte des Gebetes und der Spiritualität. Aber selbstverständlich gehören auch viele soziale und kulturelle Aktivitäten zu den Tätigkeiten von Moscheegemeinden.
Moscheen fungieren grundsätzlich neben der Familie als zentrale Orte für die Glaubensvermittlung und -ausübung. In Moscheen werden nicht selten die ersten Glaubenserfahrungen und -erlebnisse gemacht, sei es bei einem rituellen Gemeinschaftsgebet, einem gemeinsamen Fastenbrechen oder einer anderen Veranstaltung.
Aktivitäten für Gemeindemitglieder umfassen religiöse Angebote wie die rituellen Gebete, das Freitagsgebet, inhaltliche Vorträge, Religionsunterricht, seelsorgerische Betreuung und Beratung, sportliche und künstlerische Aktivitäten etc.
Darüber hinaus finden regelmäßig Informationsveranstaltungen statt, um die Gemeinde über Aktuelles und Wichtiges zu informieren. Spezielle Angebote für Frauen, Jugendliche und Kinder sind eine Selbstverständlichkeit.
Aktivitäten für Nichtmitglieder umfassen die Angebote für das nahe Umfeld.
Dazu zählen z.B. „Tag der offenen Moschee“, Moschee-Führungen, Ausstellungen über das Gemeindeleben, Veranstaltungen zum Fastenbrechen im Ramadan, „Interreligiöse Veranstaltungen“ etc.
Grundsätzliches „Kennenlernen“ ist ein Leitmotiv des Islam.

KULTSTÄTTEN IN GRAZ

• Afghanischer Jugendverein Graz, Ungergasse 6
• An-Nour Moschee, Neubaugasse 67
• Ar-Rahman Moschee – Ägyptisch-Islamisches Zentrum, Resselgasse 9
• Daymochk Moschee, Herrgottwiesgasse 2
• Dzemat Bosnjak – Bosnisch Islamisches Kulturzentrum, Gmeinstraße 22a
• Eyüb Sultan Moschee UIKZ, Josef-Huber-Gasse 9
• Ihlas Moschee, Ägydigasse 13
• Interkulturelles Zentrum Graz (IKZ) Graz – Laubgasse 24
• Islamisches Zentrum Graz, Nibelungengasse 42
• Lexo Moschee, Geidorfgürtel 16
• Mevlana Moschee, Josefigasse 51
• Subul El-Salam Moschee – Verein Islamischer Friedensweg, Großmarktstr. 10
• Ymer Prizreni Moschee Graz, Sterzinggasse 33

VERTRETER/IN IM INTERRELIGIÖSEN BEIRAT DER STADT GRAZ

Dipl.-Päd. Ibrahim Čikarić
i.V. Mehmet Celebi, BEd.

STATEMENT ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG

„O Menschen! Siehe Wir haben euch alle aus einem Männlichen und einem Weiblichen erschaffen und haben euch zu Nationen und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander kennenlernen möget.“ (Sure 49:13)

Mit diesem Qur‘anvers macht der Schöpfer das Kennenlernen untereinander zur Basis des sozialen Lebens der Menschen. Neben dem Glauben, der Gerechtigkeit und Nächstenliebe wurde der Dialog zur Grundlage des menschlichen Miteinanders und der Begegnung mit Gott gemacht.

Der Interreligiöse Dialog, der von seinem Wesen her einen Diskurs darstellt, bei dem alle Gesprächspartner grundsätzlich gleichberechtigt sind, dient dem gegenseitigen Kennenlernen und beinhaltet eine Grundhaltung der Gegenseitigkeit.

Der Dialog lebt von einem Geben und Nehmen. Er lebt von Wechselseitigkeit von Rede und Erwiderung. Er besteht im Austausch von Argumenten, von Erfahrungen und Sichtweisen. Der Interreligiöse Dialog ist aus unserer Sicht der beste Weg, um Vorurteile aufzubrechen und die eigene Religion auch tiefer zu ergründen.

Die muslimische Tradition ermutigt das Individuum zur Verpflichtung gegenüber seinen Mitmenschen. So heißt es: „Dein Glaube ist nicht perfekt, außer du tust für die anderen das, was du dir für dich selbst erhoffst.“

In diesem Sinne bemühen sich die IRG Steiermark und ihre Moscheegemeinden um ein gutes Zusammenleben zwischen den Religionen und MitbürgerInnen in der Steiermark und partizipieren im Rahmen vieler interreligiöser Plattformen und Veranstaltungen.

• Interreligiöser Beirat der Stadt Graz
• Trialog-Forum
• Christlich – Muslimische Dialoggruppe
• Veranstaltungen und Projekte im Rahmen von „Community-Spirit“
Etc.

Unsere Stadt Graz und die steirischen Religionsgemeinden sind im Bereich des Interreligiösen Dialogs vorbildlich und wir freuen uns ein Teil dieses bunten Mosaiks zu sein.

KONTAKT

Jüdische Gemeinde Graz

ALLGEMEIN

Das Judentum ist die älteste der monotheistischen abrahamitischen Religionen mit einer mehr als 3000 Jahre andauernden Geschichte. Schriftliche Grundlage der Religion sind der Tanach und der Talmud; Mittelpunkt und Quelle des jüdischen Lebens ist die Tora. Man unterscheidet im herkunfts- und ritusspezifisch Wesentlichen zwischen aschkenasischen und sefardischen Juden; zudem gibt es verschiedene Strömungen, die sich grob in Reformjudentum, konservatives und orthodoxes Judentum unterteilen lassen. Weltweit gibt es ca. 15 Millionen Jüdinnen und Juden, von denen die meisten in Israel und den USA leben.

INHALT DER RELIGION

Nach der jüdischen Religion erhielt der Prophet Mose am Berg Sinai von G’tt (JHWH, der unaussprechliche Eigenname G‘ttes), die Tora, die den ersten und wichtigsten Teil des Tanach bildet. Hier sind die Verheißung des „Gelobten Landes“ sowie der Bund beschrieben, den G’tt mit dem jüdischen Volk, den Israeliten, geschlossen hat und der nach der jüdischen Lehre 613 Gebote und Verbote beinhaltet. Darunter fallen Speisevorschriften ebenso wie Reinheitsgebote und das Gebot, den Sabbat einzuhalten. Jüdische Knaben sind ab dem 13. Lebensjahr zur Einhaltung der religiösen Gebote verpflichtet, Mädchen ab dem 12. Lebensjahr. Der Kernsatz des Judentums ist zugleich das wichtigste Gebet: Es lautet „Schma Israel“ („Höre Israel“) und verkündet unter anderem die Einzigkeit und Ewigkeit G‘ttes.

Der Tanach ist die Sammlung der heiligen Schriften Tora, Nevi‘im und Ketuvim. Der Talmud wiederum ist als „Handbuch zur Tora“ zu verstehen, das aus zwei Teilen besteht: Die Mischna bildet die Basis des Talmud und ist eine Niederschrift der mündlichen Tora. Sie ist die Grundlage des zweiten Teils, der Gemara, die aus Kommentaren und Diskussionen zur bzw. der Interpretation und Auslegung der Mischna besteht.

Der „Ewige“ wird nicht nur als Schöpferg‘tt des gesamten Kosmos verstanden, sondern als persönlicher und im Gebet ansprechbarer G‘tt gedacht.

HAUPTFESTE

• Rosch ha-Schana (Neujahrsfest)
• Jom Kippur (Versöhnungstag)
• Sukkot (Laubhüttenfest)
• Chanukka (Lichterfest)
• Purim (Freudenfest)
• Pessach (Auszug aus Ägypten)
• Schawuot (Wochenfest)
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RELIGIÖSES OBERHAUPT

Graz/Steiermark/Kärnten und Südburgenland: Präsident Kultusrat MMag. Elie ROSEN
religiöse Jurisdiktion: Landesrabbiner Mag. Schlomo Hofmeister

ÖSTERREICH

Durch das Staatsgrundgesetz von 1867 wurden Jüdinnen und Juden in Österreich erstmals als gleichberechtigte StaatsbürgerInnen anerkannt. Im Jahr 1935 lebten rund 200.000 Jüdinnen und Juden in Österreich, 180.000 davon in Wien – nur 5.500 von ihnen überlebten in ihrer Heimat den Holocaust. Mehr als 65.000 österreichische Jüdinnen und Juden wurden während des nationalsozialistischen Regimes ermordet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sich jüdische Gemeinden wieder in Wien, Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg und Baden bei Wien etablieren. Der Mitgliederstand beträgt bundesweit rund 8.000 Personen.

STATEMENT ZUM GEMEINDELEBEN IN GRAZ

Die Jüdische Gemeinde Graz versteht sich als Vertretung der in der Steiermark, Kärnten und dem Sudburgenland lebenden Juden. Das Gemeindeleben umfasst neben Gebeten an Shabbatoth und Feiertagen auch ein umfangreiches Kultur- und Bildungsprogramm. Der Religionsunterricht erfolgt dem gesamtösterreichischen Muster in Form eines Sammelunterrichts nach Art einer Sunday School.

ANDACHTSSTÄTTEN IN GRAZ

• Synagoge, David-Herzog-Platz 1, 8020 Graz
• Beth HaMidrash, jüdisches Lehrhaus und Wintersynagoge, David Herzog Platz 1

VERTRETER/IN IM INTERRELIGIÖSEN BEIRAT DER STADT GRAZ

Präsident Kultusrat MMag. Elie Rosen

STATEMENT ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG

Die Jüdische Gemeinde Graz setzt nach ihrer eigenen Darstellung mit einem umfangreichen edukativem und Kultur Programm auf die Vermittlung eines „lebendigen“ Judentums und mehr auf gelebte, denn institutionelle Verständigung.

KONTAKT

Katholische Kirche Steiermark

ALLGEMEIN

Die römisch-katholische Kirche ist die größte der christlichen Glaubensgemeinschaften. Sie wird vom Papst in Rom (Vatikan) geleitet und zählt weltweit über 1.3 Mrd. Mitglieder (Stand 2017), was ca. 17,7 % der Weltbevölkerung entspricht. Laut Auskunft der Österreichischen Bischofskonferenz gab es zum Stichtag 31.12.2019 insgesamt 4,98 Millionen KatholikInnen in Österreich, steiermarkweit 794.169 (von 1.243.052 EinwohnerInnen). In Graz leben rund 149.000 KatholikInnen.

INHALT DER RELIGION

Das Christentum basiert auf dem Leben und der Lehre Jesu Christi. Gemeinschaft und Nächstenliebe sind die zentralen Elemente in allen christlichen Konfessionen. Gott tritt in der Heiligen Dreifaltigkeit (Vater, Sohn und Heiliger Geist) und als Schöpfer der Welt auf. In der katholischen Kirche wird das Wort Gottes durch die Bibel – auch als Heilige Schrift bezeichnet –vermittelt. Zusätzlich werden auch Konzilsbeschlüsse als für die Gläubigen verbindlich erachtet. Zentral für den katholischen Glauben sind die sieben heiligen Sakramente (Taufe, Firmung, Abendmahl, Hochzeit, Priesterweihe, Buße und Salbung), durch die Christus gegenwärtig wird. Verkündigung des Evangeliums, Liturgie – also die Feier des Gottesdienstes – und Caritas, die praktizierte Nächstenliebe, sind die drei wesentlichen Aufgaben der katholischen Kirche. Das Haus Gottes wird im Christentum als Kirche bezeichnet, wo der Gottesdienst abgehalten wird. Als Tag des Herrn gilt der Sonntag.

HAUPTFESTE

• Weihnachten (Fest der Geburt Jesu): 25. Dezember
• Gründonnerstag (Gedenken des letzten Abendmahls)
• Karfreitag (Gedenken des Todes Jesu)
• Ostern (Fest der Auferstehung Jesu): 1. Sonntag nach dem Frühlingsvollmond
• Christi Himmelfahrt: 40 Tage nach Ostern
• Pfingsten (Fest der Aussendung des Heiligen Geistes): 50 Tage nach Ostern
• Mariä Empfängnis: 8. Dezember
• Mariä Himmelfahrt: 15. August
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RELIGIÖSES OBERHAUPT

Papst Franziskus, 266. Bischof von Rom

ÖSTERREICH

Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien

STATEMENT ZUM GEMEINDELEBEN IN GRAZ

Die Region Katholische Stadtkirche Graz lebt strukturiert in 6 Seelsorgeräumen, in denen insgesamt 37 Pfarren und Seelsorgestellen zusammengefasst sind. Dazu gibt es 6 Themenschwerpunkte, die kirchliche Angebote für alle Menschen in Graz anbieten. Diese werden von ReferentInnen und Priestern verantwortet.

KULTSTÄTTEN IN GRAZ

In Graz gibt es rund 60 katholische Kirchen, darunter etwa folgende:
• Basilika Mariatrost
• Erlöserkirche (LKH-Universitätsklinikum)
• Grazer Dom (Kathedralkirche der Diözese Graz-Seckau)
• Stadtpfarrkirche Graz-Hl. Blut
• Herz-Jesu-Kirche
• Leechkirche (älteste katholische Kirche von Graz)
• Mariahilferkirche
• St. Andrä
• St. Lukas
• etc.

VERTRETER/IN IM INTERRELIGIÖSEN BEIRAT DER STADT GRAZ

Probst Mag. Christian Leibnitz
i.V. Mag. Waltraud Hamah Said

STATEMENT ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG

Über den Themenschwerpunkt Interreligiöser Dialog werden Gespräche, Feste und Bildungs- und Begegnungstage veranstaltet, die dem Austausch und dem besseren Kennenlernen sowie dem friedlichen Zusammenleben in der Stadt Graz dienen.

KONTAKT

  • Allgemein: http://w2.vatican.va/content/vatican/it.html
  • Österreich: https://www.katholisch.at/
  • Steiermark: https://www.katholische-kirche-steiermark.at/
  • Graz: https://www.kath-kirche-graz.at/

Koptisch-orthodoxe Religionsgesellschaft

ALLGEMEIN

Die koptische Kirche ist die Nationalkirche der ägyptischen Christ*innen. Ihre Entstehung geht auf den Evangelisten Markus zurück. Die koptisch-orthodoxe Kirche gehört zu den orientalisch-orthodoxen Kirchen, die weltweit insgesamt ca. 60 Millionen Mitglieder zählen. Die koptisch-orthodoxen Christ*innen betragen in etwa 16 Millionen, wovon ca. 2 Millionen in der weltweiten Diaspora leben.

INHALT DER RELIGION

Die koptisch-orthodoxe Kirche ist eine christliche Konfession und basiert somit auf dem Leben und der Lehre Jesus Christus. Gemeinschaft und Nächstenliebe sind zentrale Elemente, wie auch in allen anderen christlichen Konfessionen. Gott tritt in der Heiligen Dreifaltigkeit (Vater, Sohn und Heiliger Geist), als Schöpfer der Welt, auf. Der koptisch-orthodoxe Glaube begründet sich primär auf die Bibel als Heilige Schrift, stützt sich jedoch zusätzlich auf Überlieferungen und die Traditionen der Urväter und kennt die sieben Sakramente – Taufe, Myronsalbung (Firmung), Buße & Beichte, Eucharistie, Ehe, Krankensalbung und Priesterweihe (Ordination). Der koptische Glaube beruht zudem auf den Lehren einiger Urväter, wie die des Papstes Kyrill von Alexandrien oder des Papstes Athanasius. Einem zentralen Dogma zufolge ist Jesus Christus gleichzeitig Gott und Mensch und hat nur eine Natur, bestehend aus der göttlichen und menschlichen, jedoch ohne Vermischung, ohne Verquickung und ohne Veränderung. Eine besondere Stellung kommt in der koptischen Kirche dem Mönchstum sowie der Theologieschule bzw. der Bildung zu.

HAUPTFESTE

Die sieben großen Herrenfeste: Fest der Verkündigung der frohen Botschaft, Geburt Christi (07.01.), Taufe Jesu Christi (19.01.), Palmsonntag, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten

Die sieben kleinen Christusfeste: Beschneidung (14.01.), Eintritt in den Tempel (15.02.), Ankunft in Ägypten (01.06.), Das Fest zu Kana (21.01.), Verklärung Christi (19.08.), Donnerstag des Bundes, Thomassonntag

Weitere Feste: Mariä Himmelfahrt (22.08.), koptisches Neujahr (Nayrouz-Fest, 11.09.), Apostelfest (Gedächtnistag der Apostel Petrus und Paulus, 12.07.)
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RELIGIÖSES OBERHAUPT

Papst Tawadros II (Patriarch von Alexandrien und Papst des Stuhls des heiligen Markus)

ÖSTERREICH

In Österreich leben ca. 10 000 koptisch-orthodoxe Christ*innen. Seit 2003 ist die Religion staatlich anerkannt. Gemeinden und Kirchen gibt es in Wien, Graz, Klagenfurt, Linz, Innsbruck und Bruck an der Mur. Das Oberhaupt der Kopt*innen in Österreich ist Bischof Anba Gabriel.

STATEMENT ZUM GEMEINDELEBEN IN GRAZ

In der koptisch-orthodoxen Gemeinde sind alle Mitglieder sehr eng miteinander verbunden und vernetzt. Es wird sehr stark auf die Förderung und christliche Entwicklung der Kinder und Jugend gesetzt. Dazu zählen folgende Aktivitäten:
• Sonntagsschule
• Jugendversammlung
• Diakonenschule
• Dienerkurs (Ausbildung zum Sonntagsschullehrer)
• Theologische Hochschule
• Chor
• etc.
Diese Aktivitäten finden wöchentlich von Freitag bis Sonntag statt. Für Familien und Erwachsene werden sonntags eine Volksversammlung und ein Bibelexegese abgehalten.
Neben den genannten Aktivitäten und Versammlungen trifft man sich ebenfalls in der Kirche, um sich auszutauschen und soziale Kontakte zu pflegen. Kinder haben die Möglichkeit im Kirchenspielplatz oder im Spieleraum gemeinsam zu spielen und dabei Freundschaften zu schließen. Die koptische Jugend trifft sich auch gerne außerhalb der Kirche, um sportlichen oder anderen sozialen Aktivitäten nachzugehen. Es wird auch sehr gerne aus allen Altersgruppen freiwillige Arbeit in der Kirche geleistet.

KULTSTÄTTEN IN GRAZ

• Kirche des hl. Johannes des Täufers
• Kirche der hl. Jungfrau Maria & des starken Anba Moses

VERTRETER/IN IM INTERRELIGIÖSEN BEIRAT DER STADT GRAZ

DI Pawely Eskandar
i.V. David Andrawes

STATEMENT ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG

Die Koptisch Orthodoxe Kirche als Altorientalische Kirche sieht ihre Rolle im Interreligiösen Dialog als Brückenbauerin zwischen Ost und West. Das friedliche Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen in Ägypten haben die Kopten in die Immigrationsländer mitgebracht. Die Koptische Kirche ist stets bemüht, in allen interreligiösen Dialogen aktiv mitzuwirken.

In Graz ist die Kirche ein aktives Mitglied im Interreligiösen Beirat und nimmt mit ihrer Jugend an fast allen Veranstaltungen teil. Die Vertreter der Kirche wirkten bei der Vorbereitung zur interreligiösen europäischen Konferenz im Jahr 2013 mit. Beim letzten „Tag des Judentums“ in Graz im Jänner 2020 begleitete der koptische Chor die Veranstaltung in der Stadtpfarrkirche. Die Kopten bewahren ihren Glauben und empfinden gleichzeitig, den interreligiösen Dialog als Bereicherung in der Vielfalt. Friedliches Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen und Konfessionen ist ein wichtiger Garant für Stabilität in Gesellschaft und Staat. (DI Amir Istfanous)

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