Glauben in Zeiten von Corona: #8 Theologe Grigorios Larentzakis

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Glauben in Zeiten von Corona: #8 Theologe Grigorios Larentzakis

Die Mitglieder des Interreligiösen Beirates senden Kurzbotschaften an die Grazer Bevölkerung:
(Wie und warum) kann der eigene Glaube in dieser herausfordernden Zeit Hilfe und Stütze sein?

Univ. Prof. DDr. Grigorios Larentzakis vertritt im Beirat die Griechisch-orthodoxe Kirchengemeinde Graz und teilt hier seine “Gedanken in der Krise”:

Die Probleme in der gegenwärtigen Krise sind vielfältig und mit unterschiedlichen Folgen: Nicht nur gesundheitlicher, wirtschaftlicher, sozialer und religiöser Prägung, sondern in einer ganzheitlichen menschlichen Dimension.

Gleich aus welcher Ursache und mit welcher Gefährlichkeit: Niemand bezweifelt die enormen Folgen auf der ganzen Welt.

Eines ist aber sicher: Diese Krise ist keine Strafe Gottes wegen der Verfehlungen, bzw. des sündhaften Lebens der Menschen, wie manche leichtfertig behaupten.

Gott ist kein Rache-Gott. Er will auch nicht die Menschen verurteilen und strafen.

Diese Krise wird vorüber gehen, wie die früheren, auch mit vielen Leiden, mit vielen Verlusten von Menschen, mit traurigen und schmerzhaften Folgen.

Jedoch können wir Menschen aus dieser Krise manche Lehren ziehen und uns auf das Wesentliche menschlicher Existenz zurückbesinnen. Die Grenzen der Menschen sind sichtbar geworden. Die Gier der Menschen hat auch ihre schlimmsten Folgen sichtbar gemacht und die Relativität der Tendenz zur Maximierung von Profit und Macht auf einen echten Wert verwiesen. Nicht alles ist machbar, auch nicht mit der angestrebten, schwindelerregenden Geschwindigkeit, welche den Menschen Orientierungslosigkeit brachte.

Der Mensch wollte seinen Schöpfergott ersetzen und er wurde dabei von der Ausstrahlung seiner Werke im wahrsten Sinne verblendet.

Neubesinnung auf das Wesentliche im Leben, auf die Würde des Menschen auf einem soliden Fundament und mit einer radikalen Entschleunigung tun Not.

Wir hoffen auf die baldige Überwindung dieser Krise und beten dafür. Dem Karfreitag folgte die Auferstehung Christi. Christsein und Resignation sind ein Widerspruch in sich!