Glauben in Zeiten von Corona: #6 Pawely Eskandar und David Andrawes

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Glauben in Zeiten von Corona: #6 Pawely Eskandar und David Andrawes

Die Mitglieder des Interreligiösen Beirates senden Kurzbotschaften an die Grazer Bevölkerung:
(Wie und warum) kann der eigene Glaube in dieser herausfordernden Zeit Hilfe und Stütze sein?

DI Pawely Eskandar und David Andrawes vertreten im Interreligiösen Beirat die Koptisch-Orthodoxe Gemeinde in Graz:

 

 

 

 

 

 

Gott erinnert die Menschen an ihn

Im christlichen Glauben sehen wir Gott als den Allmächtigen. Er ist der Grund für alles Gute und alles Schlechte. In Jesaja 45:7 steht: „Ich erschaffe das Licht und mache das dunkel, ich bewirke das Heil und erschaffe das Unheil. Ich bin der Herr der das alles voll bringt.“ Wenn wir sagen, dass Gott der Grund für alles Schlechte ist, dann meinen wir, dass er die schlechten Dinge im Leben zulässt. Dieser Vers zeigt auch, dass es nur einen Gott gibt, der sowohl die guten, als auch die schlechten Dinge im Leben bewirkt. Es gibt also nur einen Gott und nicht zwei, die jeweils für das Gute beziehungsweise für das Schlechte verantwortlich sind – so wie es einige Menschen behaupteten.

Warum also lässt Gott schwierige Situationen zu? Gott lässt Krisen im Leben zu, um die Menschen an ihn zu erinnern. Er hat uns bereits gesagt, dass wir und diese Welt viele Schwierigkeiten gegenüberstehen werden. Es wird Naturkatastrophen geben, Hass, Hartherzigkeit und vieles mehr. All diese Aspekte sollen jedoch die Gläubigen im Glauben stärken, da sie dadurch erinnert werden, dass Gottes Worte wahr sind. Die schlechten Menschen allerdings können durch solche Krisen auf zwei verschiedene Weisen reagieren: Einige bereuen ihre Taten, werden bescheiden und beschließen ihr Leben neu und besser anzufangen, andere bleiben in solchen schwierigen Phasen des Lebens dennoch unverändert. Sie sind hartherzig, so wie der Pharao Ägyptens, bis sie im Wasser ertrinken. „Schlecht“ heißt nicht nur, dass Diebstahl oder Mord begangen wird. Es bedeutet auch, ein Leben ohne Gott zu führen – und die Welt wollte ohne Gott leben.

Gott hat den Gläubigen drei Sachen versprochen:

1. Das erste Versprechen ist, dass er sie niemals im Stich lassen wird. Vielleicht kommt Gottes Hilfe etwas spät – aber sie kommt bestimmt! Gott kam erst dann zu den drei Jünglingen, als sie bereits im Feuer waren. Daniel wurde in die Löwengrube geworfen und befand sich schon mitten unter Löwen, als Gott ihn unterstützte. Auch seinen Jüngern ist Jesus erst in der vierten Nachtwache erschienen. Es hat folglich den Anschein, dass Gott zu spät kommt, allerdings ist er immer gekommen und hat seine Kinder nicht im Stich gelassen.

2. Das zweite Versprechen ist, dass er uns Macht gibt. Er gibt uns Macht über Schlagen, Skorpione und jegliche Macht des Feindes und „Nichts wird euch schaden können.“ (Lukas 10:19)

3. Zuletzt versprach uns Gott das Himmelreich. Das ist das Versprechen, das uns Hoffnung gibt. Dadurch haben wir weder Angst vor weltlichen Verlusten oder Krankheit, noch vor dem Tod, denn uns wurde das ewige Leben versprochen. Ich möchte nun eine kurze Geschichte erzählen: Ein Mann hat zwei Töchter. Eine starb und die andere heiratete und zog weit weg. Eines Tages beschließt er, seine verheiratete Tochter zu besuchen und fährt mit dem Schiff zu ihr. Plötzlichen kommen hohe Wellen auf und es besteht die Gefahr, dass das Schiff sinkt. Alle Passagiere haben Angst – alle, außer er. Er wird verwundert gefragt, warum er keine Angst habe. Da antwortet er wie folgt: „Wenn ich sterben sollte, dann werde ich zu meiner Tochter im Himmel gehen. Sollten wir es aber überleben, so werde ich zu meiner anderen Tochter gehen können.“

Die Corona-Krise änderte auch das geistliche Leben. Viele Menschen fingen an, ihre Taten noch einmal zu überdenken. Habe ich richtig gebetet? Habe ich tatsächlich wahre Reue abgelegt? Habe ich um Vergebung gebeten – oder nur um weltliche Erfolge? Bin ich in die Kirche gegangen, um mit Gott zu sein, oder um auf das Verhalten und Auftreten anderer zu achten? Habe ich das Lesen der Bibel vernachlässigt und gemeint, dies sei nur für Mönche/Nonnen? „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Matthäus 4:4) Gottes Worte sind also an alle Menschen gerichtet.

Viele haben also neue Versprechen abgelegt: besser beten, mehr in die Kirche gehen (sobald dies wieder möglich ist), mehr in der Bibel zu lesen, sich mit den Mitmenschen zu versöhnen,… – all dies ist das Positive an der derzeitigen Situation.