Demonstration gegen Gewalt, für Meinungsfreiheit und gegenseitigen Respekt, 23.01.2015

1024 683 ComUnitySpirit - Religions and cultures in dialogue
  • 0

Die Islamische Religionsgemeinde Graz gemeinsam mit dem Ökumenischen Forum der christlichen Kirchen in der Steiermark, der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, der Buddhistischen Gemeinde Österreich/Steiermark, dem Interreligiösen Beirat der Stadt Graz, dem Kulturzentrum bei den Minoriten und dem Afro-Asiatischen Institut Graz- „ComUnitySpirit“ demonstrierte gemeinsam mit vielen Grazer BürgerInnen auf dem Grazer Hauptplatz gegen Gewalt, für Meinungsfreiheit und gegenseitigen Respekt. Danke an alle und jede/n Eimzelne/n, fürs Organisieren, Mittragen, Mobilisieren. Danke allen für ihr Kommen und ihre Beiträge. Gemeinsam haben wir so ein wichtiges Zeichen gesetzt. Zivilcourage und gesellschaftlicher Zusammenhalt in schwierigen Zeiten. Wir sind stolz auf Graz!
Das von den TeilnehmerInnen unterzeichnete Statement des Interreligiösen Beirates wurde dem Grazer Bürgermeister Mag. Siegfried im Rahmen der Sitzung des IRB von den ReligionsvertreterInnen als „Friedensrolle“ überreicht.

 

Stellungnahme des Interreligiösen Beirates der Stadt Graz
Demonstration gegen Gewalt, für Meinungsfreiheit und gegenseitigen Respekt am Grazer Hauptplatz Freitag, 23. Jänner 2015

Die Religionsgemeinschaften in der Steiermark verurteilen die terroristischen Anschläge auf das Satiremagazin Charlie Hebdo, den jüdischen Supermarkt in Paris sowie die Anschläge in Belgien und Nigeria auf das Schärfste. Unser Mitgefühl gehört den Angehörigen der Opfer. Wir sind zutiefst betroffen darüber, dass Religion einmal mehr für gewalttätige Zwecke instrumentalisiert und missbraucht wurde.
Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Recht auf freie Meinungsäußerung sind Prinzipien, welchen wir in Österreich und Europa mit Überzeugung verpflichtet sind und die nicht von Gräueltaten erschüttert werden dürfen, die genau diese Grundpfeiler der Gesellschaft angreifen. Wir protestieren gegen Menschenrechtsverletzungen aller Art, aktuell besonders gegen jene, die Raif Badawi in Saudi Arabien in diesen Tagen erleidet.
Entschieden wenden wir uns gegen jede Form von Extremismus, die Einschränkung der Freiheit der BürgerInnen und eine Spaltung der Gesellschaft. Gleichzeitig treten wir vehement gegen eine Pauschalverurteilung des Islam, gegen Antisemitismus und jedwede Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer religiösen oder weltanschaulichen Überzeugung auf.
Wir dürfen nicht zulassen, dass die terroristischen Anschläge Anlass zur Verhetzung werden, zugleich müssen die Sorgen der friedlich zusammenlebenden Bevölkerung ernst genommen werden. Dafür ist das gemeinsame Eintreten aller nötig.
Der Interreligiöse Beirat arbeitet deshalb weiterhin mit voller Überzeugung für den Zusammenhalt und das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Religionen, Kulturen und ethnischen Gemeinschaften in Graz. In diesem Sinne unterstützt der Beirat aktive Maßnahmen, die Extremismus und Radikalisierung unterbinden, und lädt alle Bürgerinnen und Bürger ein, den konstruktiven Dialog mitzutragen, der wesentlich für das friedliche und gute Klima unserer Gesellschaft ist.

 

 

Fachinspektor Ali Kurtgöz
Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinde Graz
Statement auf der Demonstration gegen Gewalt, für Meinungsfreiheit und gegenseitigen Respekt am 23. Jänner 2015 am Grazer Hauptplatz

Grüß Gott! – Shalom – Selam- Der Friede sei mit Ihnen.

Wir haben uns heute hier versammelt, da wir in tiefer Betroffenheit nach den entsetzlichen Terroranschlägen in Frankreich gemeinsam gesellschaftlichen Zusammenhalt demonstrieren möchten, um gegen die Verunsicherung und Angst vor Gewalt und Terror ein starkes Zeichen zu setzen. Ein Zeichen für den sozialen Zusammenhalt und das friedliche Zusammenleben in unserem demokratischen Rechtsstaat. Für die Freiheit der Meinung, der Rede und der Kunst. Sie ist unabdingbar für die Diskussionskultur einer Gesellschaft.
Wir gedenken aller Opfer der Anschläge – jedes Menschenleben ist gleichermaßen wertvoll und wir teilen die Trauer der Hinterbliebenen. Der Terror der Extremisten richtet sich gegen alle Menschen, die ihre Ideologie nicht teilen – damit auch gegen die Muslime, die den Islam so leben wollen wie es ihnen ihr Prophet vorgelebt hat: Als Religion des Friedens und der Mäßigung und in der Akzeptanz anderer Religionen und Weltanschauungen. Schandtaten wie die jüngsten Anschläge in Paris, bei denen Menschen ermordet worden sind, haben mit der wahren Botschaft des Islams nichts zu tun.

Denn Gott sagt uns im Koran:
„Wer ein menschliches Wesen tötet, so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält, so ist es als ob er alle Menschen am Leben erhält.“ (Maide /32)

Meine Damen und Herren, Auch wir machen uns große Sorgen über die derzeitigen Entwicklungen. Die Attentäter haben den Islam nicht nur missbraucht, sondern unsere Gesellschaft auch frontal angegriffen. Sie spekulieren darauf, dass die Islamfeindlichkeit in Europa steigen wird und somit die Spaltung der Gesellschaft erreicht wird.
Deswegen möchten wir mit allen BürgerInnen der Steiermark ein gemeinsames Zeichen setzen! Ein Zeichen gegen Gewalt, gegen Hass und gegen Diskriminierung! Denn die Werte und Prinzipien unserer Gesellschaft, wie Menschenwürde, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, kann der Fanatismus irregeleiteter Menschen auch mit Gewalt und Terror nicht aus der Welt schaffen.
Als steirische MuslimInnen sehen wir es als unsere Verantwortung, gemeinsam mit unseren hiesigen MitbürgerInnen und Organisationen, im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts mitzuwirken und das friedliche Zusammenleben, sowie die Werte unserer Gesellschaft zu bewahren. Wir treten gemeinsam denen entgegen, die uns daran hindern wollen, in Achtung und Respekt voreinander, in Frieden miteinander zu leben.

 

 

Dr.in Ruth Kaufmann
Präsidentin des Israelitischen Kultusvereins Graz
Israelitische Kultusgemeinde Wien für die Steiermark
Statement auf der Demonstration gegen Gewalt, für Meinungsfreiheit und gegenseitigen Respekt am 23. Jänner 2015 am Grazer Hauptplatz

Sehr geehrte Damen und Herren!

Es ist tragisch und bedrückend, dass wir uns hier wegen des barbarischen islamistischen Terrors versammeln müssen.
Auch die westliche Welt erlebt seit Jahren Angriffe auf ihre Grundwerte. Die abscheulichen Anschläge in Paris waren Angriffe auf die Freiheit, die Sicherheit und auf die jüdische Gemeinde.
Freiheit und Toleranz sind Grundwerte unserer Gesellschaft und es ist unsere kollektive Verantwortung, sie zu schützen.
Wir alle sind verpflichtet, in unseren Tätigkeitsbereichen dafür einzutreten. Und die Staaten sind aufgefordert, für die Sicherheit der Bürger ihr Möglichstes zu tun. Religionen haben das Potenzial, Frieden zu stiften, aber sie werden allzu oft dafür benutzt, zu töten und Leid anzutun. Als Religionsgemeinschaften ist es unsere Pflicht, unsere Kräfte in den Dienst der Friedens, der Freiheit und des guten Miteinanders zu stellen.

Danke.

 

 

Superintendent Hermann Miklas
Vorsitzender des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark
Statement auf der Demonstration gegen Gewalt, für Meinungsfreiheit und gegenseitigen Respekt am 23. Jänner 2015 am Grazer Hauptplatz

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Wenn in einigen Teilen Europas in diesen Tagen Demonstrationen und Gegendemonstrationen stattfinden und die verschiedenen Gruppierungen tätlich aufeinander losgehen, dann lachen sich die Terroristen aller Länder ins Fäustchen. Denn sie haben erreicht, was sie wollen: Die Zersplitterung der europäischen Wertgemeinschaft. Wir hier in Graz sind heute gemeinsam auf den Hauptplatz gekommen: Muslime, Christen, Juden und Buddhisten, religiöse und nicht-religiöse Menschen, konservative und liberale… Miteinander legen wir hier ein Bekenntnis ab: Gegen Gewalt in jeder Form – aber für Meinungsfreiheit und für gegenseitigen Respekt. Wir wissen, dass jede der hier vertretenen Gruppierungen in den eigenen Reihen auch Skeptiker hat, die zweifeln, ob nach allem, was geschehen ist, ein friedliches Miteinander überhaupt noch möglich ist. Wir hier aber wollen zeigen: Es gibt zum respektvollen Miteinander keine Alternative! Und alle, die Hass schüren, statt Versöhnung zu wagen – egal von welcher Seite – sie machen sich an der wachsenden Eskalation von Gewalt mit schuldig.
Am 9. November in der Synagoge haben wir einander noch voller Zuversicht geschworen: So etwas wie den Holocaust darf es niemals, niemals wieder auf unserer Erde geben! Und nun erleben wir mit Ensetzen in diesen Tagen – wenn auch unter völlig anderen Vorzeichen – im Nahen Osten, in Afrika und in Europa wiederum Blutbäder unvorstellbaren Ausmaßes. Wie damals gibt es dabei Mitläufer, Verblendete, skrupellose Drahtzieher und brutale Schlächter.
Waren damals alle vaterlandsliebenden Menschen automatisch Nationalisten? Nein. Aber Vaterlandsliebe zur Ideologie aufgeblasen, ist für die Welt zur tödlichen Bedrohung geworden. – Waren alle, deren Herz im 20. Jahrhundert weit links geschlagen hat, automatisch Stalinisten? Nein. Aber der Kommunismus, zur allein selig machenden Ideologie erhoben, hat eine grausame Blutspur hinterlassen, in Moskau, Peking, Phon Penh und Pjöngjang… – Sind alle Muslime potentielle Islamisten? Nein. Aber Glaube, in Ideologie verwandelt, kann tatsächlich blind machen und alle natürlichen Hemmschwellen im Menschen außer Kraft setzen. – Ja bekanntlich haben selbst in der französischen Revolution viele von denen, die ursprünglich „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ auf ihre Fahnen geschrieben hatten, ihre Gegner schließlich in einem unbeschreiblichen Blutrausch erbarmungslos abgeschlachtet.
Es liegt nicht grundsätzlich an dieser oder jener Religion, an dieser oder jener Weltanschauung. Sondern es liegt jeweils an der Enge oder Weite des Horizontes. Glaube ich, dass ich meiner „Wahrheit“ am besten diene, indem ich alle Andersdenkenden einfach eliminiere? Oder diene ich meiner Wahrheit dann am besten, wenn ich sie mit anderen Wahrheiten in einen fruchtbaren Diskurs bringe?
Den skrupellosen Drahtziehern und den brutalen Schlächtern wird man wohl nur durch drakonische Strafen und verstärkte Sicherheitsmaßnahmen das Handwerk legen können. Auf null Toleranz ihnen gegenüber sollten wir uns in dieser Stunde verständigen.
Gegenüber den potentiellen Mitläufern, den Verblendeten und den noch Unentschlossenen aber braucht es vor allem Überzeugungsarbeit: Aufklärung und das gelebte Vorbild eines guten Miteinan-ders – als Menschen. Und um dieses müssen sich alle Seiten gleichermaßen bemühen.
Die Gräueltaten von IS und Boko Haram… (und anderen einschlägigen Gruppen) sind durch nichts zu entschuldigen. Aber wenn das Opfer der Ermordeten auch nur den geringsten Sinn haben soll, dann kann es nur der sein, dass wir alle aufwachen und erkennen: So schwer der Weg auch immer sein wird – es geht nur miteinander! Dazu gibt es keine Alternative.
Oder Europa wird im Chaos versinken. Dann allerdings hätten die Terroristen gewonnen.