10.12.2014 Tag der Menschenrechte

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Plödoyer des Interreligiösen Beirates der Stadt Graz
gegen Hass und Gewalt

 

Angesichts der aktuellen missbräuchlichen Verwendung von Religion zur Rechtfertigung von Gewalt ist eine klare Distanzierung von Gewalt und Terror im Namen jedweder Religion notwendig und muss von säkularen und religiösen Instanzen mit Nachdruck erfolgen. Der Interreligiöse Beirat der Stadt Graz und die in ihm vertretenen anerkannten Religionsgemeinschaften verurteilen jede fundamentalistische Verengung von Religion, in welcher Glaubensgut willkürlich und fälschlich als Rechtfertigung für Kriege, Gräuel- und Gewalttaten ausgelegt wird, auf das Schärfste. Nichtachtung der Menschenrechte, Intoleranz gegenüber Andersgläubigen und Gewalt widersprechen den Menschenrechten und sind intolerabel. Die Vertreter und Vertreterinnen der Stadt und der Religionsgemeinschaften sind heute mehr denn je herausgefordert, ihre Autorität und Stimme deeskalierend und friedensfördernd für ein Zusammenleben ohne Hass und Gewalt einzusetzen.

Der weltweit vernetzte radikale Islamismus stellt eine massive Gefahr für Grundwerte wie Demokratie, Sicherheit und Freiheit dar. Der Hetzpropaganda des radikalen Islamismus und dessen Verlockung zu Gewalt sind besonders junge Menschen in Situationen von Arbeitslosigkeit, Armut, sozialer Ausgrenzung, fehlender Zukunftsperspektiven und Unwissen ausgesetzt. Ohne Islamismus mit dem Islam gleichzusetzen darf mit Hinweis auf Religion nichts gerechtfertigt werden, was in Widerspruch zur Rechtsordnung und den Menschrechten steht.

Am Phänomen des radikalen Islamismus setzt darüber hinaus Propaganda an, die ein islamfeindliches gesellschaftliches Klima in Österreich und Europa schafft, muslimische MitbürgerInnen auszugrenzen sucht und so das friedliche Leben der überwiegenden Mehrheit von Muslimen schwer beeinträchtigt.

Ebenso achtsam muss einem wieder erstarkenden Antisemitismus in Europa widerstanden werden. Antisemitische Haltungen und Tendenzen, denen im Holocaust 6 Millionen europäische Juden zum Opfer fielen, dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Niemand soll in der Menschrechtsstadt Graz aufgrund seiner Religionszugehörigkeit Angst haben müssen oder gar verfolgt werden.

Der respektvolle und wertschätzende Umgang aller Menschen auf Augenhöhe ist die Basis eines friedlichen Zusammenlebens. Die Religionsgemeinschaften in der Stadt Graz bemühen sich, durch interreligiösen Dialog und gemeinsame Projekte friedens- und verständnisfördernde Zeichen zu setzen, um Radikalisierung und Gewalt den Nährboden und zu entziehen. Der interreligiöse Beirat der Stadt Graz spricht sich explizit für die Umsetzung von Bildungs- und Präventionsmaßnahmen gegen radikalen Islamismus und Antisemitismus aus und unterstützt interreligiöse Initiativen für ein respektvolles und die Vielfalt wertschätzendes gesellschaftliches Leben.

Der Interreligiöse Beirat der Stadt Graz 

 

 

Der Interreligiöse Beirat der Stadt Graz wurde 2006 ins Leben gerufen und besteht aus hohen VertreterInnen der staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften. Er wird vom Bürgermeister als beratendes Gremium einberufen und gibt im Anlassfall gemeinsame Stellungnahmen zu wichtigen Fragen des Dialogs, die das friedliche Zusammenleben betreffen.

Die Geschäftsstelle des Interreligiösen Beirats ist im Afro-Asiatischen Institut Graz angesiedelt und wird von Frau Bakk.a Nicola Baloch als Koordinatorin betreut. Die Sitzungen finden regelmäßig zwei Mal pro Jahr und darüber hinaus bei Bedarf statt. Die Mitglieder des Beirats tauschen sich über die Geschäftsstelle sowie untereinander informell aus.

 

Link zu den Friedensgedanken auf den Graz und Friedensbüro-Homepages:

http://www.graz.at/cms/ziel/3722317/DE/

http://www.friedensbuero-graz.at/cms/friedenszitate/